Ganz ehrlich:

Je länger ich über die Ereignisse der vergangenen Wochen nachdenke, desto größer wird mein Unverständnis.

Dabei geht es längst nicht mehr nur um den SC Barienrode.

Es geht um die Frage, welchen Stellenwert sportliche Leistungen in unserem Fußballkreis überhaupt noch haben.

Unsere 1. Herren hat sich in ihrer Premierensaison mit einer herausragenden Rückrunde den 6. Tabellenplatz in der 3. Kreisklasse erkämpft. Wochenlang war unklar, ob dieser Platz zum Aufstieg reicht. Spieler, Trainer und Verantwortliche mussten ständig mit neuen Gerüchten, Nachfragen und Unsicherheiten umgehen. Erst nach zahlreichen Gesprächen und Rückfragen wurde schließlich bestätigt, dass der SC Barienrode entsprechend der Ausschreibung aufgestiegen ist.

Die Freude war riesig.

Doch kaum war diese Frage geklärt, tauchte die nächste auf.

Plötzlich steht die komplette Ligastruktur der unteren Spielklassen zur Diskussion. Die 3. Kreisklassen werden aufgelöst und künftig gibt es fünf Staffeln in der 2. Kreisklasse.

Und da frage ich mich:

Wofür haben die Mannschaften dann eigentlich die gesamte Saison gekämpft?

Was sagt man Vereinen, die sich ihren Aufstieg sportlich verdient haben?

Was sagt man Spielern, die Woche für Woche alles investiert haben, um genau die entscheidenden Tabellenplätze zu erreichen?

Was sagt man dem SV Hildesia Diekholzen, der sportlich eine starke Saison gespielt und sich den Aufstieg verdient hat?

Am Ende doch nicht etwa:

„War alles egal, ihr seid sowieso alle in derselben Klasse.“

Genau diesen Eindruck hinterlässt die aktuelle Entwicklung.

Und das ist gefährlich.

Denn Fußball lebt davon, dass Leistung belohnt wird.

Fußball lebt davon, dass Tabellen Bedeutung haben.

Fußball lebt davon, dass sich Mannschaften Ziele setzen und diese auf dem Platz erreichen müssen.

Wenn dieser Grundsatz verloren geht, verliert der Wettbewerb an Glaubwürdigkeit.

Besonders betroffen ist davon auch unsere neu gegründete 2. Herren.

Diese Mannschaft wurde bewusst als Neuanfang aufgebaut. Viele Spieler kommen nach Jahren zurück zum Fußball, andere stehen erstmals wieder regelmäßig auf dem Platz. Der Plan war klar: Erfahrungen sammeln, gemeinsam wachsen und sich Schritt für Schritt entwickeln.

Dafür wäre die 3. Kreisklasse genau die richtige Liga gewesen.

Nun droht stattdessen direkt der Sprung in die 2. Kreisklasse.

Nicht weil die Mannschaft sportlich aufgestiegen wäre.

Nicht weil sie sich dafür qualifiziert hätte.

Sondern weil eine Strukturreform offenbar alles über den Haufen werfen soll.

Da darf man schon die Frage stellen, ob die Verantwortlichen die Auswirkungen auf die Vereine ausreichend bedacht haben.

Und ja, diese Frage stelle ich bewusst.

Nicht aus Frust.

Nicht aus Angst vor einer höheren Spielklasse.

Sondern weil ich selbst lange genug Verantwortung im Fußball getragen habe.

Ich war 2. Vorsitzender im NFV-Kreis Hameln-Pyrmont.

Ich war Schatzmeister.

Ich war Schiedsrichter-Obmann.

Ich weiß, wie schwierig Entscheidungen manchmal sein können.

Aber ich weiß auch, dass man Vereine mitnehmen muss.

Dass man transparent kommunizieren muss.

Und dass man vor allem den Menschen an der Basis zuhören muss.

Genau das vermisse ich aktuell.

Denn Woche für Woche investieren Ehrenamtliche unzählige Stunden in ihre Vereine. Trainer, Betreuer, Vorstände und Spieler halten den Amateurfußball am Leben.

Sie haben ein Recht darauf zu erfahren, wohin die Reise geht.

Und sie haben ein Recht darauf, dass ihre sportlichen Leistungen respektiert werden.

Deshalb appelliere ich an den Kreisvorstand und an den Vorsitzenden Andreas Wiese, die geplanten Veränderungen noch einmal kritisch zu prüfen und vor allem den Dialog mit den Vereinen zu suchen.

Denn eines sollte niemals passieren:

Dass Vereine nach einer langen Saison das Gefühl bekommen, ihre Leistungen seien am Ende bedeutungslos.

Der SC Barienrode wird seinen Weg gehen.

Unsere 1. Herren hat sich den Aufstieg verdient.

Darauf sind wir stolz.

Aber wir werden auch den Finger heben, wenn wir Entwicklungen sehen, die aus unserer Sicht dem Amateurfußball schaden.

Denn dafür sind Vereine da.

Und dafür gibt es Ehrenamt.

💙🤍 Nur der SCB! 💙🤍

Bernhard Kruppki
1. Vorsitzender SC Barienrode

Von Bernhard