Von Bernhard Kruppki, 1. Vorsitzender des SC Barienrode

Manchmal gibt es diese Nächte, in denen man einfach nicht schlafen kann.

So eine Nacht hatte ich heute.

Um 4 Uhr morgens war ich wach. Und seitdem kreisen die Gedanken. Um Fußball. Um Ehrenamt. Um Fairness. Um unsere 1. Herren.

Dabei hatte der Abend eigentlich alles, was man sich wünschen kann.

Der SV Türk Gücü Hildesheim schafft in der Relegation das Wunder, gewinnt 4:1 gegen den SV 06 Holzminden und hält die Bezirksliga. Eine großartige Leistung, zu der ich herzlich gratuliere.

Eigentlich wäre ich gerne selbst dabei gewesen. Doch als ehrenamtlicher Betreuer durfte ich als Dankeschön für die Betreuung von sechs Schützlingen die Vorpremiere der Heersumer Festspiele in Garmissen besuchen. Während der Aufführung dann die Nachricht auf dem lautlosen Handy: Türk Gücü gewinnt!

Riesige Freude.

Denn sofort ging bei mir ein Gedanke durch den Kopf: Bedeutet das jetzt den Aufstieg unserer 1. Herren?

Nach meinem Verständnis der Ausschreibung lautet die Antwort: Ja, denn es heißt bei drei Absteigern aus der Bezirksliga Hannover steigen die Tabellensechsten der 3. Kreisklasse A-C in die 2. Kreisklasse auf.

Unsere Mannschaft hat in ihrer ersten Saison überhaupt nach einer starken Rückrunde genau diesen 6. Platz in der 3. Kreisklasse B erreicht. Genau jenen Platz, der laut Ausschreibung zum Aufstieg berechtigt.

Monatelang haben die Spieler für dieses Ziel gekämpft.

Monatelang haben Trainer, Betreuer und Verantwortliche gearbeitet.

Monatelang haben wir Druck ausgehalten.

Und nun?

Während ich mich über den Erfolg von Türk Gücü freue, fragt unser Fußballabteilungsleiter beim Spielausschuss nach. Die Antwort: Aufgestiegen seien wir noch nicht.

Keine Klarheit.

Keine Entscheidung.

Keine Planungssicherheit.

Also keine spontane Aufstiegsfeier.

Stattdessen Fragezeichen.

Meine Frau sagte an diesem Abend einen klugen Satz: „Das kannst du später klären.“

Also blieb ich bei der Aufführung, fuhr anschließend nach Hause und sah noch, wie Deutschland bei der Herren-WM gegen die Elfenbeinküste in der Nachspielzeit das Spiel drehte. Nach dem Interview mit Bundestrainer Julian Nagelsmann ging es ins Bett.

Dachte ich jedenfalls.

Denn um 4 Uhr morgens war die Nacht vorbei.

Seitdem frage ich mich:

War der Einsatz unserer Spieler umsonst?

War der Einsatz unserer Trainer umsonst?

War der Einsatz der vielen Ehrenamtlichen umsonst?

Wir haben in den vergangenen Monaten erlebt, wie eine Mannschaft zusammengewachsen ist. Wie junge und erfahrene Spieler Verantwortung übernommen haben. Wie sich eine echte Gemeinschaft entwickelt hat.

Und wir haben erlebt, wie Fußball in Barienrode wieder Begeisterung entfacht.

Mehr noch:

Es gibt Barienroder Fußballer, die aktuell höherklassig bei Nachbarvereinen spielen und uns signalisiert haben:

„Wenn ihr aufsteigt, kommen wir zurück.“

Doch die Wechselfrist endet bereits am 30. Juni.

Heute sind es nur noch wenige Tage bis dahin.

Wie sollen Spieler Entscheidungen treffen?

Wie soll ein Verein planen?

Wie sollen Ehrenamtliche arbeiten?

Vielleicht interpretiere ich die Ausschreibung falsch. Das will ich gar nicht ausschließen. Und vielleicht haben aber auch Vereine ihre Mannschaft für die 2. Kreisklasse in der neuen Saison nicht gemeldet, so dass zusätzliche Plätze freiwerden.

Aber genau deshalb wünsche ich mir eine schnelle, transparente und verbindliche Auskunft der Verantwortlichen.

Nicht irgendwann.

Jetzt. Und heute.

Denn hinter Tabellenplätzen stehen Menschen.

Hinter jedem Training stehen Menschen.

Hinter jedem Ehrenamt stehen Menschen.

Respekt und Fairness zeigen sich nicht nur auf dem Spielfeld. Sie zeigen sich auch darin, Vereinen zeitnah die Klarheit zu geben, die sie für ihre Arbeit benötigen.

Von Bernhard