Eigentlich hätte der Donnerstag ein Abend voller Freude werden sollen.

Der SC Barienrode hatte zur Aufstiegsfeier eingeladen. Eigentlich sollte vorher noch gemeinsam gekickt werden. Doch die sommerliche Hitze ließ selbst die größten Fußballverrückten vernünftig werden. Statt auf dem Platz stand das Miteinander im Mittelpunkt. Beim Grillen und einem kühlen Getränk wurde über die vergangenen Monate gesprochen – über Siege, den Derbysieg, den verdienten Aufstieg und leider auch über die Entwicklungen der letzten Tage im Fußballkreis.

Denn so richtig wollte Feierlaune nicht aufkommen.

Nicht, weil unsere Mannschaft ihren Aufstieg nicht verdient hätte.

Ganz im Gegenteil.

Die 1. Herren hat sich den Aufstieg mit einer überragenden Rückrunde selbst erarbeitet. Sie hat Woche für Woche geliefert, als es darauf ankam, und sich den sechsten Tabellenplatz sportlich verdient.

Doch mittlerweile steht fest, dass die 3. Kreisklassen komplett aufgelöst und in fünf Staffeln der 2. Kreisklasse überführt werden soll. Damit entsteht bei vielen Spielern der Eindruck, dass der sportliche Wert dieses Aufstiegs nachträglich verwässert wird.

Die Stimmung an diesem Abend war deshalb geprägt von großem Unverständnis und teilweise auch von Wut über die aktuellen Entwicklungen im Spielausschuss des Fußballkreises Hildesheim-Holzminden.

Besonders fassungslos macht uns dabei die Art der Kommunikation. Vor gerade einmal fünf Tagen schrieb der Spielausschuss:

„Wir werden in Ruhe eine Entscheidung zur Staffeleinteilung treffen und dann alle Vereine informieren. Ein sportlicher Aufstieg wird für den Meister garantiert … und nicht für den Sechsten. Vielleicht hätten ein paar Punkte mehr über die Saison eurem Schlaf gut getan.“

Ganz ehrlich:

So spricht man nicht mit Vereinen.

Der SC Barienrode hat innerhalb eines Jahres über 100 neue Fußballerinnen und Fußballer gewonnen, eine neue 1. Herren aufgebaut, eine 2. Herren gegründet und viele Menschen wieder für den Fußball begeistert. Eigentlich sollte man sich über Vereine freuen, die wachsen und Verantwortung übernehmen. Stattdessen bleibt von einer berechtigten Nachfrage am Ende ein Satz, den unsere Spieler als respektlos empfunden haben.

Bemerkenswert war an diesem Abend auch, dass sich die Gespräche längst nicht nur um den SC Barienrode drehten.

Immer wieder fiel am Abend der Name unseres Derbyrivalen SV Hildesia Diekholzen.

Auch dort hat man den sportlich verdienten Aufstieg gefeiert – passend zum 80-jährigen Vereinsjubiläum. Wie müssen sich die Spieler dort jetzt fühlen, wenn plötzlich der Eindruck entsteht, dass ihre starke Saison am Ende kaum noch einen Unterschied gemacht hat?

Unweigerlich erinnerte das an eine aktuelle Aussage von FIFA-Präsident Gianni Infantino während der laufenden Weltmeisterschaft. Mit Blick auf Italien scherzte er:

„Vielleicht qualifiziert sich Italien bei einer WM mit 64 Teams – oder wir gehen sogar hoch auf 228 Teams.“

Ein humorvoll gemeinter Satz.

Im Fußballkreis Hildesheim-Holzminden wirkt die aktuelle Entwicklung auf viele Vereine allerdings längst nicht mehr wie ein Scherz.

Für zusätzliches Kopfschütteln sorgt die Einladung zur sportpraktischen Arbeitstagung am 21. Juli – mitten in den Sommerferien und als Pflichtveranstaltung.

Warum werden die Vereine nicht unmittelbar nach Abschluss der Relegationsspiele eingeladen? Warum werden die geplanten Änderungen nicht vorgestellt, Meinungen eingeholt und anschließend gemeinsam entschieden? So würde man die Vereine mitnehmen, statt sie vor vollendete Tatsachen zu stellen.

Trotz aller Diskussionen zeigte der Donnerstag aber auch wieder, warum der SC Barienrode in den vergangenen Monaten so viele Menschen begeistert hat.

Clubwirt Danijel Elek stellte spontan ein Fass Kaltgetränke bereit und unsere Schriftführerin Rotraud Leyder steuerte eine Kiste Getränke dazu. Dafür sagen wir herzlich Danke. Genau diese Gesten machen unseren Verein aus und zeigen, was Gemeinschaft wirklich bedeutet.

Während Deutschland am Abend bei der Weltmeisterschaft gegen Ecuador verlor, blieb wenigstens eines unverändert:

Der SC Barienrode ist Aufsteiger.

Darauf sind wir stolz.

Und genau deshalb werden wir auch weiterhin unsere Stimme erheben, wenn wir den Eindruck haben, dass sportliche Leistungen und die Arbeit der Vereine nicht die Wertschätzung erfahren, die sie verdienen.

Denn der Amateurfußball lebt nicht von Ausschüssen.

Er lebt von den Vereinen, ihren Ehrenamtlichen und den Menschen, die Woche für Woche auf den Sportplätzen stehen.

💙🤍 Nur der SCB! 💙🤍

Von Bernhard